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SCHINKELPLATZ
In der Umgebung des Wettbewerbsgebietes sollen bedeutende historische Gebäude und der Stadtgrundriss eines alten (besseren) Berlin rekonstruiert werden. Was ist der adäquate Umgang mit der Aufgabe eines Büroneubaus in diesem Rahmen? Können wir ein Bild entwerfen, das den Wunsch nach Vergangenheit überbietet? Welche Architektur zollt dem Ort den nötigen Respekt, und bleibt dennoch erkennbar als ein heutiges, zeitgenössisches Gebäude, das ohne Zitate, Ironie oder Kritik entworfen ist?

Der Entwurf für das Bürogebäude am Schinkelplatz beruht auf einem Ansatz, der die Umgebung und die Geschichte dieses Ortes reflektiert. Der neue Block, der dem vorgeschriebenen Volumen entspricht, wird präzise in die Stadtrekonstruktion von Berlin Mitte eingepasst und bezieht sich auf den historischen Kontext durch eine zeitgenössiche Interpretation der Aufgabe des klassischen Stadtpalais. Fünf konzeptionelle Bestandteile des Entwurfs bestimmen das äussere Erscheinungsbild und den Charakter des Gebäudes, sowie die Qualität und Funktionalität der Innenräume und den zugehörigen Freiraum.


LOBBY
Der Haupteingang am Schinkelplatz gibt dem Gebäude die attraktivste und einprägsamste Adresse: Schinkelplatz Nr.1. Man gelangt in eine grosse Lobby, die sich, dem Ort angemessen, mit grosser Geste in einem kugelförmigen 2-geschossigen Atrium fortsetzt, und so räumliche Bezüge zu den oberen Geschossen herstellt. Das erste und zweite Obergeschoss ist über eine einladende, der Kugelform folgenden, ’Frei’-Treppe direkt aus der Lobby zu erreichen. Dieser kollektive, zentrale Raum, der im gesamten Gebäude spürbar ist, gibt allen Nutzern eine Adresse, die mit dem Entrée in Verbindung steht.

Die Lobby ist mit der 'sonnigeren', grünen Hofseite verbunden. Sie erhält so zusätzliches Tageslicht und einen Ausblick zum Garten, der allen Nutzern und Besuchern zugänglich ist. Der gleichen Idee folgend befindet sich auf jedem Geschoss gegenüber dem Lift ein nach Süden gerichteter Vorraum, der Ausblick auf den Garten bietet.

ERKER
Der Luftraum über der Lobby zeichnet sich wie ein entferntes Echo in der Fassade zum Schinkelplatz ab: die Mitte des Gebäudes wird durch einen sanft gerundeten Erker hervorgehoben, der auch den Haupteingang des Gebäudes am Schinkelplatz andeutet. Der mehrgeschossige Erker ist das plastisch wirksamste Element des Entwurfs. Er ist als Referenz an die mächtigen Kuppelbauten der Umgebung und als heutiger Ausdruck einer nicht-hierarchischen Fassadengliederung konzipiert. Er prägt den spezifischen, eigenen Charakter des Gebäudes

FENSTER
Strassenseitig bieten die Büros unterschiedliche Orientierungen und Sichtbezüge zur Stadt. Dementsprechend variiert die Ausrichtung der Fenster. In der Hauptfassade, am Schinkelplatz, mit der besten Aussicht auf den Spreekanal, das zukünftige Stadtschloss und weitere Gebäude der Stadtmitte sollen die Fenster bis zum Boden reichen, um einen optimalen, ungehinderten Blick in den Stadtraum zu ermöglichen. Die zur Niederlagstrasse orientierten Büroräume werden hinsichtlich der Tageslichtsituation optimiert, weshalb hier die Fenster deckenbündig eingebaut werden. So ergibt sich in den beiden gegenüberliegenden Fassaden ein Höhenversatz der Fenster, der über die Länge der nördlichen Fassade zur Kommandatur in einem homogenen Verlauf ausgeglichen wird.
Die Hoffassaden haben bei gleichem Raster einen höheren Öffnungsanteil zur Optimierung der Tageslichtsituation. Die Fenster werden bodengleich gesetzt, um überall Zugang zur Terrasse zu ermöglichen.


FASSADE
Eine in Pixel aufgelöste Abbildung aus der Geschichte des Schinkelplatzes liefert das lebhafte abstrakte Muster für die farbliche und plastische Gestaltung der Frontfassaden. Mittels Schablonen wird die Struktur als dünne, durchgefärbte Putzschicht auf den Untergrund aufgetragen. Alternativ wäre das Muster mit farbigen Keramikfliesen darzustellen, die einen plastischen Effekt durch Reflexionen anstatt Schatten erzielen. Die zum Hof gerichteten Fassaden sind neutral gehalten, da sie ohnehin durch die Terrassen stark gegliedert sind. Die Pixel sind im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss dichter als in den oberen Stockwerken, um einen Hell-Dunkel Kontrast zu erzielen und einen Sockelbereich lesbar zu machen. Die gewählten Abstufungen berücksichtigen die Farbpalette.


GARTEN
Im Hof, dem zum Gebäude gehörigen Freiraum, wird ein kollektiver, allen Nutzern zugänglicher Garten geschaffen, der ein Maximum verschiedenartiger, farbig blühender Pflanzen kombiniert. Der Garten bietet so über den ganzen Jahresablauf einen bunten und lebhaften Kontrast zu der klassischen Strenge des Gebäudes.

Auf allen Geschossen ist die Aufteilung für einen oder zwei Mieter möglich. Basierend auf einem 2,70m Fassaden- und Konstruktionsraster sind die Grundrisse im Mieterausbau flexibel für Grossraum- oder Zellenbüros planbar.

Team credits:
MVRDV: Jacob van Rijs, Jeroen Zuidgeest, Jonas Klock, Patrick Hesse
morePlatz: Johannes Schele, Caro Baumann, Fatemeh Moaiyeri
Bureau Happold: Heiko Trumpf

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