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Die Leitidee des vorliegenden städtebaulichen Entwurfs ist die Schaffung eines kommunikativen und innovativen Quartiers, das Wohnen und öffentliche Funktionen wie Sport und Schulen, sowie soziale und kommerzielle Einrichtungen sinnfällig mit-einander verbindet. Das Quartier liegt eingebettet in einen öffentlichen und gemeinschaftlichen Landschaftsraum, der durchgängig mit Obst- und Nussbäumen bepflanzt ist.

Dieser Entwicklungsansatz ist das Ergebnis der Auseinandersetzung unseres Teams mit drei Fragen:
1. Welche ergänzende und vermittelnde Identität soll der zukünf-tige öffentliche Raum als Begegnungs- und Kommunikationsraum haben, wenn er die Stadt Garching und den TU-Campus als ‘missing link’ ergänzend vermitteln soll?
2. Welche Bedeutung kann und soll der öffentliche Raum in einem Siedlungsgebiet am Stadtrand übernehmen, wenn dieses inmitten von Naherholungsgebieten liegt?
3. Was ist der Inhalt der Kommunikation in einer Kommunikations-zone? Was sind die Gründe für lokal übergreifende Begegnungen, wenn es nicht Handel und Verkehr sein können? Welche Kommunikation könnte sowohl für Stadt als auch TU-Campus interessant sein?


In der Idee einer offenen und produktiven Landschaft sehen wir eine integrale Antwort auf alle drei Fragen. Erstens schafft die produktive Landschaft eine neue und ergänzende Identität für Garching und den TU-Campus. Zweitens wird ein neuer Typus von öffentlichem Raum für Siedlungen am Stadtrand etabliert, der sich mehr auf die Realität periurbaner, also stadtnaher anstatt suburbaner Lebensstile bezieht. Und schliesslich werden Konzeption, Bewirtschaftung und Gebrauch eines solchen öffentlichen Raums selbst zum Gegenstand öffentlicher Kommunikation und Partizipation.

Das städtebauliche Grundgerüst ist pragmatisch gewählt. Es geht von etappenweise realisierbaren Strassen-Loops mit Misch-verkehr aus, die dank jeweils vorherrschender Siedlungstypen (Einzelhäuser, Reihenhäuser, Geschosswohnungsbau) spezifische Nachbarschaften bilden. Für die erste Etappe im Realisierungsperimeter wird ein Loop mit Geschosswohnungsbau und öffentlichen Bauten wie Sportanlagen, Boardinghouse und internationaler Schule realisiert. Die weiteren Etappen orientieren sich an den folgenden Loops, können aber relativ flexibel und nach Bedarf entwickelt werden.


Die für ein offenes Landschaftsbild bewusst locker gehaltene Bebauung ermöglicht eine Körnung, die eine hohes Mass an Flexibilität für die angehenden Entwicklungsschritte zulässt. Denn Nachhaltigkeit kann nur beschränkt in Bebauungsplänen verordnet werden, sondern hängt wesentlich von den Nachhaltigkeitskonzepten der immobilienwirtschaftlichen Akteure ab. Die Zusammensetzung der zukünftigen Schlüsselakteure wird damit eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des neuen Stadtteils spielen. Hinsichtlich dieser Unbekannten, ist die kleinteilige Körnung extrem flexibel konzipiert. Sie bietet genügend Spielraum, um die Partner gezielt nach Qualitätsmassstäben auszuwählen. Auch Baugruppen sind problemlos integrierbar.
Ein aktivierender und den Prozess unterstützender Faktor ist die professionelle Begleitung und Kommunikation des Entwicklungsprozesses. Hierfür wird die Einrichtung einer Kommunikationsplattform sowie die Organisation eines entsprechenden Gebietsmanagements empfohlen.


AUSGANGSLAGE: IDENTITÄT ZWISCHEN STADT UND LAND
Garching entwickelt sich beachtlich am nordöstlichen Rand des heute bebauten Stadtgebiets. Mit der Tuchfühlung und dem Kontakt zu dem sehr grossen Gebiet des bisher völlig unabhängig operierenden TU Campus wird eine Entwicklung eingeleitet, die neben einem rein quantitativen Wachstum auch einen wesentlichen Beitrag zu einer qualitativen Ausdifferenzierung und Bereicherung der Identität Garchings als Stadt, als Wohnort und als Wissenschaftsstandort leisten kann. Das Gebiet zwischen Stadt und Campus soll entsprechend als Kommunikationszone entwickelt werden. Ein solcher Baustein in einem neuen Stadtgefüge wirft eine Reihe interessanter Fragen auf.


Wie kann die Kommunikationszone eine Identität als Ort entwickeln, der jedoch nicht einen neuen eigenständigen Bereich einrichtet, sondern eher als ‘missing link’ zur Integration der separaten Welten und Identitäten Garchings beiträgt? Wie muss der Ort funktionieren, der zwischen Stadt und Campus vermittelt, gleichzeitig aber nicht die angrenzenden, introvertierten Wohngebiete beeinträchtigt? Wie muss also in dieser Situation die neue Vorstadt beschaffen sein? Welche Adressen und Verbindungen schafft sie? Welche Wohn- und Arbeitsformen begünstigt sie? Für welche Bewohner und Lebensstile bietet sie Platz?


LANDSCHAFT UND FREIRAUM
Eine offene, bewohnte, durch eine hohe Durchlässigkeit geprägte Landschaft ist die Grundlage unseres Konzeptes für die Kommunikationszone. Obstwiesen und Baumgruppen aus ortsbildprägenden Walnussbäumen bestimmen die Atmosphäre der Freiräume in dem neuen Quartier. Durch die signifikante übergreifende Landschaftstextur erfährt der Planungsbereich ein hohes Mass an Identität im heterogen geprägten Umfeld.

Der städtebaulichen Grunddisposition folgend nimmt die Gestaltungsintensität von Westen nach Osten zu den Isarauen hin ab. Vielfalt und Strukturierung, Durchlässigkeit und Transparenz, Dynamik, Enge und Weite, Licht und Schatten, Flexibilität, Nutzungsoffenheit und individuelle Aneignung bestimmen die freiraumplanerische Herangehensweise. In einer weiterführenden Betrachtung kommen Themenbereiche wie Ökologie, Robustheit und Kostenbewusstsein in Herstellung und Unterhalt hinzu.

Team credits:
Johannes Schele, Caro Baumann, Patrick Hesse

Realgrün: Wolf Auch, Patrizia Scheid

Philippe Cabane

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