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Wettbewerb Stadtteilzentrum Freiham



Das Stadtteilzentrum wird morphologisch von vier großen Stadtblöcken bestimmt, die zusammen mit dem Zentrum südlich der Bodenseestr. und mit den Wohngebieten WA 19&20 ein klar abgegrenztes Gebiet bilden. Der öffentliche Raum ist in erster Linie ein vom langsamen Verkehr, Fußgängern und Radfahrern geprägter Aufenthaltsort. Die Lebendigkeit des Zentrums wird von der Vielfalt unterschiedlicher Funktionen bestimmt. Diese Vielfalt und Lebendigkeit möchten wir in die Gestaltung der vier Blöcke einbringen.
Unser Entwurf für das Stadtteilzentrum basiert auf 3 Kriterien:

 

1 - Homogenität und Differenzierung
Homogenität im Gesamtbild - individuelle Merkmale im Detail: Das Stadtteilzentrum wird als städtebauliche Einheit gestaltet, durch homogene Materialwahl, die in vielen Details variiert wird. Die vier um den Platz gruppierten Wohn- und Geschäftshäuser fungieren erkennbar als Bausteine des Ensembles, haben jedoch jeweils einen eigenen Charakter. Sie unterscheiden sich durch ihre Abmessungen, das Material und den Rhythmus der Fassade. JederBaustein hat neben seinem eigenen Rhythmus in der Architektur ein besonderes Element, das die einzelnen Charaktere der Blöcke verstärkt. Die 'Halle' in MK 2.2, die Passage in MK 2.3, die großen grünen Eingangsräume
in MK 2.4, das grüne Band in MK 2.1. Diese Gestaltungsvielfalt der Einzelteile wird durch die Materialisierung des öffentlichen Raums, von Straße und Fassade, gefasst. Variationen hellgrauer Steinmaterialien wie polierter Beton, grauer Travertin, Zementstein und leichter Granit für das Pflaster werden mit warmen Materialien für Fensterrahmen,
Sonnenschutz und Bepflanzung kombiniert.
Der Stadtraum wird durch die Gäudekanten klar definiert. Eine zweite Schicht von mobilen Elementen wie Markisen Straßenmöbel, Bepflanzung und Wasserspiel beleben die Erdgeschosszone und Fussgängerperspektive.

 

2 - Programm und Funktion
Platz- und Strassenleben stehen im Mittelpunkt: Durch die Mischung von Geschäften, Restaurants, Hotels,
Arbeitsbereichen und Wohnungen wird sichergestellt, dass für einen Großteil des Tages und der Nacht städtische
Aktivität stattfi ndet. Um diese Lebendigkeit zu stärken, wird ein Teil der Supermärkte und anderer großer
kommerzieller Programme im ersten Stock platziert, um im Erdgeschoss Raum für kleinere Einheiten zu schaffen,
die einen starken Bezug zum öffentlichen Raum haben. Zusätzlich wird ein besonderes, öffentlich wirksames
Programm vorgeschlagen, 'die Halle', die kommerzielle, kulturelle und gastronomische Funktionen in einem offenen,
durchlässigen Raum kombiniert. Die Sockelgeschosse sind in Funktionen und Flächen sehr fl exibel einteilbar.
Gleichzeitig sind sie durch kohärente Gestaltung der Eingänge, Markisen und Werbeanlagen in den übergeordneten
Entwurf des Strassenraums integriert.

 

 

3 - Innen und Aussen
das Äussere der 4 Wohn- und Geschäftshäuser thematisiert eine unterschiedlich gestaltete steinerne Haut und
bildet zusammen mit dem Platz den öffentlichen Raum. Veredelte Stein- und Betonoberfl ächen in unterschiedlicher
Ausführung und Schattierung bilden den Stadtraum aus. Als Kontrast dazu werden die ab dem 2.OG aufsteigenden
Wohn- und Erschliessungshöfe als introvertierte grüne Welt eines privaten Raumes entworfen, in dem ein möglichst
grosses Vegetationsvolumen erzeugt werden soll. Das Innere der Höfe ist, analog zur Aussenfassade auf das jeweilige
Gebäude abgestimmt. Die kleineren Höfe von MK 2.1&2.2 bieten private Rückzugsräume mit 'Oasencharakter',
während der grosse Grünraum im Hof des MK 2.4 für kollektive Nutzungen wie urban gardening oder gemeinsame
Hoffeste geeignet ist. Diese stark begrünten Hofräume mit ihrem ruhigen, nachhaltigen Mikroklima leisten einen großen Beitrag zur Wohnqualität im Stadtteilzentrum.

MK 2.1
Um dem urbanen Charakter und dem Leitbild des ‚offenen Einkaufens‘ gerecht zu werden, werden im Erdgeschoss des M K 2 .1 hochqualitative flexibel teilbare Einzelhandelsflächen geplant; der Nahversorger mit Zugang von der Helmut-Schmidt Allee wird ins 1.Obergeschoss gelegt. So wird zusammen mit den erdgeschossigen Einzelhandelsflächen der angrenzenden Geschäftshäuser die gewünschte Flächenkonzentration und Frequenz in der Fussgängerstrasse erzielt. Die Fassade ist aus Bändern und Flächen von hellem polierten Beton komponiert. Grosse geschlossene Fassadenflächen des Supermarktes im Obergeschoss geben Platz für ein grünes Fassadenband, das eine Geste in Richtung der anschliessenden Wohngebiete ist. Die Lage der Wohnerschliessungen ermöglicht eine sehr flexible Einteilung der Einzelhandels- und Gewerbeflächen mit vielfältigen Teilungsmöglichkeiten. Im Norden und Süden des Gebäudes werden die Wohnungen als Korridortyp erschlossen. Die im Osten und Westen gelegenen Wohnungen werden als 4- oder 5-Spänner um ein Treppenhaus organisiert. Im 2. Obergeschoss sind alle Treppenhäuser mit dem Innenhof verbunden, so dass alle Wohnungen Zugang zum ruhigen Dachgarten als grüne Stadtoase erhalten. Auch in diesem Hof wird das Ziel verfolgt, ein möglichst großes Vegetationsvolumen zu erzeugen.
Entlang der Helmut-Schmidt-Allee werden die Wohnungen mit Schallschutzloggien vor dem Strassenlärm geschützt. Durch die optimierte Grundrissgestaltung der Wohnungen entlang der Hildegard Hamm-Brücher Strasse wird eine passende Antwort auf den Anlagenlärm gefunden.

 

 

MK2.2
Durch seine Grösse prägt das Gebäude den Platz und das gesamte Stadtteilzentrum. Für die Architektur des Hochpunkts wird bewusst ein stark akzentuiertes Raster vorgeschlagen. Der Turm steht im Fokus Verbindungen aus unterschiedlichen Richtungen, die auf dem Platz zusammen laufen und wird als markante Landmarke des Gebiets wahrgenommen.
Der Turm und das Wohn- und Geschäftshaus werden durch ein Raster von Beton-Bändern gegliedert. So werden die verschiedenen Funktionen in einer einheitlichen Hülle gefasst. Im Sockel des Turms ist auf den Platz orientierte Gastronomie geplant, im nördlichen Bereich sind neben Einzelhandel und Gewerbe Büro- und Co-workingflächen vorgesehen.
Der besondere Bereich zwischen dem Turm und dem Block, die Halle, wird individuell gestaltet und programmiert, als sehr offener, einladender Raum, der auf zwei Ebenen Verbindungen zur Gastronomie und zu den Co-workingflächen ermöglicht. Einzelhandel und andere Unternehmen werden als Ort der Interaktion und des Events verstanden, was
hier in Form der ‚Halle‘ einen zentralen Ort erhält. Es ist ein gläserner transparenter Raum, der unterschiedlichen kleinen Geschäften oder Freihamer Start-ups einen attraktiven Ort bietet, für Veranstaltungen, Ausstellungen, Pop Up-Aktionen, Indoor-Markt, Vorträge auf der grossen einladenden Treppe oder Nachbarschaftsevents.
Zugleich dient er als Erschliessung des 1.Obergeschosses der gewerblichen und gastronomischen Funktionen und ist ebenso an die Tiefgarage angebunden. ’Die Halle’ hat als vernetzter Ort verschiedener Funktionen und Erschliessungswege grosses Potential, auch abends einen aktiven, lebendigen Anziehungspunkt darzustellen.
Die Wohnungen sind im Turm im 2. Obergeschoss bis 13. Obergeschoss angeordnet und bieten einen variablen Wohnungsmix an. Sie sind in den unteren Geschossen als 8-Spänner und in den oberen Geschossen als 6-Spänner mit einem höheren Anteil an 4-Zimmer Wohnungen um einen mittig gelegenen Erschliessungskern organisiert. Die Wohnlage im Turm bietet Aussichten über Freiham, die Umgebung und bis zu den Alpen. Auf der Dachlandschaft trägt das Haus zwei sehr unterschiedliche Gärten. Der zwischen Turm und Block gelegene Dachgarten ist als aktiver Ort mit Spielflächen geplant, mit Zugang von beiden Bauteilen. Der sehr intime Wohnhof mit privaten Außenräumen dient als Erweiterung der Wohnungen im 2.OG. In diesem Wohnhof werden die privaten Flächen durch Gräser- und Staudenflächen vom gemeinschaftlichen Aufenthaltsbereich separiert.



MK 2.3
Das Gebäude unterscheidet sich in der Nutzung und Konzeption von den drei anderen. Eine fliessend gestaltete Passage führt durch den Sockel und leitet vom Platz über zum Schulcampus.
Der Hof erhält damit einen stark frequentierten, öffentlichen Charakter. Dementsprechend werden aus der Passage auch Geschäfte und Büros erschlossen, und die äussere Fassade setzt sich als innere Fassade im Hof fort. Ein Hotel mit 200 Zimmern und flexibel einteilbare Büroflächen bilden oberhalb des Sockels einen nach innen abgestuften Ring. Die begrünten Terrassenflächen im Hof sind aus der Hotellobby und den Eingangsbereichen der Büroeinheiten zugänglich.
Die Fassade wird von einer umlaufenden, vertikal profilierten Haut aus hellem Architekturbeton mit glatter Oberfläche gebildet. Tiefe Fensterelemente der Büro- und Hotelgeschosse perforieren die Betonschicht und bewirken eine starke 3-dimensionale Gliederung des Baus. Die Fensterelemente werden in verschiedenen Qualitäten ausgeführt, um auch an den lärmbelasteten Fassaden, die Anforderungen an Schallschutz und Lüftung zu erfüllen. Das Gebäude wird geprägt von grossen Geschäften im Sockel, der durch eine grosse öffentliche Passage in 2 Hälften geteilt wird, so dass auch Adressen im Blockinneren gebildet werden.
Die Hoteladresse an der Bodenseestrasse kann vom Platz kommend fussläufig erreicht werden, oder über die Anfahrt von Norden aus der Hamm-Brücherstr. Hier ist ein kleiner Eingangsbereich, in dem auch die zum Hotel gehörigen Fahrräder abgestellt werden können. 2 Lifte führen in die Rezeption und Lobby im 2.OG. Nach Süden orientiert liegen die Bar- und Speisebereiche des Hotels, sowie die Konferenzräume. Nördlich schliessen die flexibel einteilbaren Büroflächen an, die als ’U’ an die Hotelnutzung angedockt sind. Hotel- und Bürofunktionen im 2.Obergeschoss haben Zugang zu den begrünten Dachterrassen.
Im 3.&4. Obergeschoss liegen die Hotelzimmer, jeweils als umlaufender Ring über die ganze Etage. Es werden 4 unterschiedliche Zimmertypen angeboten, sowie einige Sondertypen als Suiten.


 

MK 2.4
Das langgestreckte Gebäude an der Bodenseestrasse wird von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Einerseits lärmbelastete Fassaden an der Aussenseite des Stadtteilzentrums, andererseits als öffentliches Gebäude zum Platz hin orientiert. Die Fassade aus rau gemusterten Natursteinverkleidung wird von unterschiedlichen, versetzten Öffnungsformaten rhythmisiert und durch umlaufende Bänder eines konkaven Profils gegliedert. Das Konzept von Innen und Aussen wird hier in besonderer Weise umgesetzt, da der geschützte innere Bereich stellenweise nach draussen sichtbar wird.
Die langen Aussenfassaden werden an 4 Stellen durch grosse Glasflächen geöffnet, um das Gebäude in der Länge zu unterteilen - als grosse Fenster zum Hof, und aus dem Hof zur Umgebung.
Gleichzeitig bilden diese Öffnungen die Adressen der oben liegenden Wohnnutzung, da von hier aus der grosse Innenhof erreicht wird. Er kann ideal für private und kollektive Freiflächen genutzt werden, und dient als Erschliessungsebene für die weiteren Treppenhäuser der Wohnungen.


 

Oberhalb der Öffnungen bildet das 4.OG wieder den geschlossenen Ring, der den Hof fasst und auf dem Dach eine zusammenhängende Freifläche für die Bewohner schafft.
Im Sockel des Wohn- und Geschäftshauses liegen neben grossen Einzelhandelsflächen auch zum Platz orientierte Cafés und Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe. Alle Läden und Dienstleistungs- oder Gewerbeflächen werden vom öffentlichen Raum erschlossen. Zwischen den beiden Cafés gelegen befindet sich ein grosser 2-geschossiger Zugang von 12m Höhe, der für den Supermarkt im 1. Obergeschoss und alle dort liegenden Gewerbeflächen eine Adresse am Platz bildet. Dieser Zugang korrespondiert mit der Passage gegenüber des Platzes.
PKW-Stellplätze für Besucher und Kunden werden über die Wiesentfelserstr. erreicht, im 2. Untergeschoss der Tiefgarage. Stellplätze für PKW und Fahrräder der Bewohner sind im 1.Untergeschoss und werden über eine eigene Zufahrt von der Rosa-Kempf Str. erreicht. Die Zugänge zu den Wohnungen befinden sich bei den 4 verglasten Öffnungen an der nördlichen und südlichen Fassade. Diese Treppenhäuser und Kerne verbinden alle Wohngeschosse mit dem Hof, dem Platzniveau und der Tiefgarage. Die Hofebene ist eine zusätzliche Erschliessungsebene des Gebäudes. Von den 4 Aufgängen werden 8 weitere Treppenhäuser erreicht, die erst ab dem 2.OG beginnen, und die Wohnungen des Ringes als 2-3 Spänner erschliessen. Die auf Hofniveau gelegenen Wohnungen werden direkt vom Hof über einen kleinen privaten Vorbereich betreten.
Die zur Bodenseestr. orientierten Wohnungen haben beweglich verglaste Loggien, um den Schallschutz gegen Verkehrslärm zu gewährleisten. Die Wohnungen an der Ostseite des Gebäudes sind komplett zum Innenhof orientiert und durch einen geschlossenen Korridor gegen den TA Lärm geschützt. Die Wohnungen in den kurzen Seiten des Wohnringes sind v.a. kleinere Typen, die Flexibilität im Wohnungsmix erreichen. Sie sind in einem Achsmass eingerichtet, und können bei Bedarf zu grösseren Wohnungstypen kombiniert werden. Über die Treppen und Lifte im westlichen Flügel des Rings ist für die Bewohner die zusammenhängende Fläche des begrünten Daches zu erreichen.
Da die Dächer keinen Verkehr tragen müssen, ergibt sich die Möglichkeit, die Dächer als Retentions-Gründächer mit einem hohen Wasserspeichervolumen auszubilden. Insgesamt basiert das Konzept darauf, ein möglichst großes Vegetationsvolumen und eine hohe Pflanzendiversität, nicht nur auf den Dachflächen, sondern auch an den Fassaden zu erzeugen.

 


Programm:
ca. 24.700 m2 Einzelhandel
ca. 9.300 m2 Gewerbe
ca. 2.100 m2 Gastronomie
ca. 2.400 m2 Büronutzung
ca. 36.600 m2 Wohnen
ca. 7.900 m2 Hotel

Design Team: morePlatz, OZ Architect
morePlatz: Johannes Schele, Caro Baumann,
Alexandra Boehm, Christoph Hanisch
OZ Architect: John Bosch, Christina Behrendt
Freiraum: Treibhaus Berlin & Lavaland GmbH
Bilder: WAX Architectural Visualizations
Modell: Made by Mistake

Ausloberin:
Munich Future City West GmbH
ein Unternehmen der Rosa-Alscher-Gruppe
Bavariafilmplatz 2 / 82031 Grünwald

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