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Anlässlich des 25 Jubiläums des UNESCO Weltkulturerbes wird zum Festival der Industriekultur im Zollverein Park Essen unsere Siedlung wieder aufgebaut.
Acht leuchtend orangene Zelte markieren im Birkenwäldchen an der ehemaligen Gleisharfe der Zeche Zollverein den Startpunkt des ‚Boulevard of Dreams'.

Das Ruhrgebiet ist seit dem Niedergang der Schwerindustrie in permanenten Wandel und steht für ein hohes Maß an Neuerfindung. Dabei ist die Zeche Zollverein ein Vorzeigebeispiel für die Umnutzung ehemaliger Steinkohlenzechen und Beleg dafür, dass tragfähige Alternativen für die urbane Erneuerung funktionieren können.

Ursprünglich 2000 in München an den Gleisanlagen zwischen Hauptbahnhof und Hackerbrücke realisiert, symbolisierte die Installation "Siedlung" ein neues urbanes Lebensgefühl: Mobilität, Grenzauflösung, das Aufbrechen alter Ordnungen – ein Ausdruck jener Zeit, die von Begriffen wie "urbaner Nomadismus" und der Leichtigkeit des Reisens geprägt war.

In 2000 sah es danach aus als ob eine bessere Zukunft für immer mehr Länder der Fall sein würde. Nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Ostblocks waren die Horizonte weit geöffnet.

Die acht orangenen Zelte waren damals ein Ausdruck des positiven Zeitgeistes und der Dynamik der neunziger Jahre. Doch bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts verschoben sich die Vorzeichen. Die Tragik des neuen Milleniums ist, dass diese positive Erwartung und Offenheit immer mehr verschwand.

Zwölf Jahre später wurde die ‚Siedlung' in Rotterdam wieder aufgebaut. Das Projekt war Teil des Sommerprogramms des Niederländischen Architekturinstituts.
In dem veränderten Kontext, mitten im Zentrum der Stadt und als Rahmenprogramm für sommerliche, architekturrelatierte Aktivitäten, funktioniert die Siedlung anders.
Eher wie etwas, das teilnimmt an seiner Umgebung, wie eine mobile Stadt, die nachts leuchtet - die sich jeden Tag anders konfiguriert, die für jeden Anlass neu komponiert wird, die sich je nach Wetter oder Wochentag anders ausrichtet.

Seitdem durch die ‚Zeitenwende' in 2022 die Beweggründe für Migration und Flucht von einer realen Bedrohung innerhalb Europas ausgehen, hat die Installation ‚Siedlung 3.0' eine neue Bedeutung, die Zelte stehen aktuell in einem anderen Kontext.
In dem neuen Zusammenhang wirken die Zelte als positives und optimistisches Zeichen einer neuen Dynamik, quasi als Reaktion auf die Zeitenwende.


Unter den Birken des Zollverein Parks, entlang der ehemaligen Gleise, erinnern die Zelte an den Wert von friedlichem Zusammenleben, Leichtigkeit und Offenheit.

Die Migrationswelle, die in 2015 einsetzte und in 2022 durch den Ukrainekrieg erneut ausgelöst wurde, veranlasste eine grosse Anzahl Menschen ihre Heimat zu verlassen um ein friedliches Leben in Europa zu suchen.
Aber anstatt der ehemals positiven Erfahrung von Grenzenlosigkeit und Offenheit dominiert nun bei einer erschreckend grossen Anzahl von Menschen Abschottung, Rechtsruck und das Wiederaufleben von nationalistischen Tendenzen.

Für die Zeche Zollverein und den Kunstraum HLGeist ist die Rückkehr der "Siedlung" deshalb ein vielschichtiger Moment.
Im Zusammenspiel mit den Freunden von Zeche Zollverein, der Stiftung Zollverein dem Kunstraum HLGeist und morePlatz soll die ‚Siedlung' neue Räume öffnen – für Erinnerung und Erneuerung, für Kunst und Auseinandersetzung, für die gemeinsame Suche nach einer künftigen Stadt.

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